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Börsengehandelte Option versus Optionsschein: Ein Vergleich

Verstehe den fundamentalen Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen. Erfahre, wie das Aufgeld die Rendite schmälert, warum Banken als Mittelsmänner agieren und weshalb ein Vergleich der Emittenten bei Hebelprodukten für Deinen Anlageerfolg entscheidend ist. Transparenz schlägt "optische Billigkeit".

8. März 2026

Liebe Leser/innen,

heute gehen wir tief in die Mechanik von Hebelprodukten und räumen mit einer optischen Täuschung auf, die viele Privatanleger teuer zu stehen kommt: Der Vergleich zwischen börsengehandelten Optionen und Optionsscheinen.

Die Architektur der Hebelprodukte

Um die Unterschiede zu verstehen, müssen wir uns die strukturelle Divergenz ansehen:

  • Börsengehandelte Optionen: Hochgradig regulierte Verträge an Terminbörsen wie der EUREX oder CBOE. Die Börse fungiert als neutraler Vermittler zwischen Käufern und Verkäufern.

  • Optionsscheine: Rechtlich gesehen handelt es sich um Inhaberschuldverschreibungen. Du kaufst hier kein Marktrecht, sondern ein Wertpapier, das ein Zahlungsversprechen einer Bank verbrieft.

  • Emittentenrisiko: Da der Optionsschein eine Forderung gegen die Bank ist, trägst Du das volle Bonitätsrisiko. Geht die Bank pleite, fällt Dein Investment in die Insolvenzmasse – ein Totalverlust droht. Bei Optionen hingegen garantiert eine zentrale Clearingstelle die Erfüllung der Geschäfte.

Das Apple-Beispiel: Die nackten Zahlen

Lass uns das Ganze an einem konkreten Szenario verdeutlichen. Die Apple-Aktie (AAPL) steht aktuell bei 250 USD. Wir wählen für beide Instrumente einen Basispreis von 250 USD und eine Laufzeit von drei Monaten. Da wir exakt am aktuellen Kurs liegen ("am Geld"), nehmen wir ein von Delta 0,5 (oder 50) an.

1. Die börsengehandelte Option

An der Terminbörse CBOE wird ein Kontrakt für 11 USD pro Aktie gehandelt. Da ein Standard-Kontrakt immer 100 Aktien umfasst, zahlst Du für diesen Kontrakt 1.100 USD. Das ist der faire Marktpreis, der durch Angebot und Nachfrage entsteht.

2. Der Optionsschein

Hier sieht die Rechnung anders aus. Die Bank arbeitet mit einem Bezugsverhältnis von 0,1. Um den Preis vergleichbar zu machen, nutzen wir den EUR/USD-Wechselkurs von 1,1623.

  • Der faire Wert: 11 USD geteilt durch den Wechselkurs von 1,1623 ergibt ca. 9,46 EUR. Umgerechnet auf das Bezugsverhältnis von 0,1 wären das 0,95 EUR.

  • Der tatsächliche Preis: Die Bank stellt Dir den Schein jedoch für 1,00 EUR in das Depot.

Woher kommen die 0,05 EUR (5 Cent) Differenz? Das ist das Aufgeld (Agio).

Das Aufgeld:
Das absolute Aufgeld berechnet sich, indem Du den Kurs des Optionsscheins mit dem Kehrwert des Bezugsverhältnisses multiplizierst, den Basispreis addierst und davon den aktuellen Kurs des Basiswerts abziehst.

In unserem Beispiel bedeutet das: Du zahlst pro Schein 5 Cent mehr als den fairen Marktwert. Rechnest Du das Bezugsverhältnis heraus (5 Cent mal 10), stecken in jedem "Aktienpaket", das dieser Schein repräsentiert, 50 EUR-Cent Aufgeld drin.

Warum die Bank diese 50 Cent von Dir braucht

Dieses Aufgeld ist für die Emittentin lebensnotwendig, um das Absicherungsgeschäft für sich sauber über die Bühne zu bringen. Wenn Du 1.000 Call-Optionsscheine kaufst, passiert im Hintergrund Folgendes:

  1. Hedge-Bedarf: 1.000 Scheine entsprechen durch das Bezugsverhältnis (0,1) effektiv 100 Aktienäquivalenten.

  2. Aktienkauf: Da das Delta bei 0,5 liegt, muss die Bank sofort 50 Apple-Aktien am echten Markt kaufen, um ihre Verpflichtung Dir gegenüber abzusichern.

Die Bank muss für diesen Aktienkauf Kapital aufnehmen (Refinanzierungskosten) und trägt das Risiko, dass der Markt übers Wochenende mit einem massiven Kurssprung öffnet (Gap-Risiko). Die 50 Cent Aufgeld pro Aktie sind die Versicherungsprämie, die Du der Bank zahlst, damit sie dieses logistische und finanzielle Risiko für Dich managt.

Fazit und FX-Risiko

Denk daran: Da Apple in USD notiert, Dein Schein aber in EUR läuft, hast Du immer ein FX-Risiko. Ein stärkerer Euro kann Deine Gewinne auffressen, selbst wenn die Aktie steigt.

Da jede Emittentin ihre eigenen Margen und Absicherungskosten kalkuliert, variiert das Aufgeld von Bank zu Bank. Ein Vergleich der Preisstellungen zwischen verschiedenen Emittenten ist für Dich also kein "Nice-to-have", sondern spart Dir bares Geld. Identische Produkte können bei unterschiedlichen Banken völlig unterschiedliche Aufgelder aufweisen.

Happy Trading,

Patrik