Chancen & Risiken eines 24-Stunden-Trading-Modells
Der Ausbau des 24-Stunden-Handels begünstigt vor allem Online-Broker wie Robinhood und Interactive Brokers, deren Volumina sich verdoppelten. Auch asiatische Privatanleger profitieren durch den Zugang zu US-Werten wie Nvidia
Liebe Leser/innen,
der Übergang der Finanzmärkte zu einem 24-Stunden-Modell lässt bestimmte Broker- und Technologieaktien als Hauptprofiteure dieses „Always-on“-Umfelds hervortreten. Da erwartet wird, dass der Nachthandel bis 2028 bis zu 10 % des gesamten US-Aktienvolumens ausmachen wird, ergeben sich erhebliche Chancen für Vermittler, die diese Transaktionen abwickeln.
Broker-Aktien: Die Hauptgewinner
Online-Broker sind die direktesten Nutzniesser der verlängerten Handelszeiten, da längere Sitzungen in der Regel zu höheren Handelsvolumina und steigenden provisionsbasierten Einnahmen führen.
Interactive Brokers (IBKR): Das Unternehmen hat viele wachstumsstarke Tech-Aktien zuletzt deutlich überflügelt. Allein im Oktober verzeichnete es 4,47 Millionen täglich durchschnittliche umsatzwirksame Trades (DARTs), was einer Steigerung von 58 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Provisionserträge stiegen im dritten Quartal 2025 im Jahresvergleich um 23 % auf 537 Millionen US-Dollar, angetrieben durch die automatisierte Plattform und den globalen Marktzugang.
Robinhood Markets (HOOD): Privatanleger nutzen Robinhood verstärkt wegen seiner Nachthandelskapazitäten, wobei das Unternehmen sein Volumen über Nacht im Jahresvergleich etwa verdoppeln konnte. Die transaktionsbasierten Einnahmen des Unternehmens stiegen im dritten Quartal 2025 auf 1,3 Milliarden US-Dollar – ein Zuwachs von 100 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Aktienperformance im Überblick (Letzte 3 Monate)
Interactive Brokers (IBKR): Die Aktie erreichte Mitte November einen Höchststand bei etwa 73,30 $, verzeichnete seitdem jedoch eine leichte Korrektur und beendete das Jahr bei rund 64,31 $.
Robinhood (HOOD): Nach einem Allzeithoch von ca. 152 $im Oktober zeigte sich die Aktie volatil und schloss das Jahr 2025 bei etwa 113$ ab.
Nvidia (NVDA): Obwohl kein Brokerhaus, bleibt Nvidia ein Haupttreiber für das nächtliche Handelsvolumen. Die Aktie erreichte Ende Oktober ein Rekordhoch von 207 $, bevor sie sich zum Jahresende bei etwa 186 $ einpendelte.
Bewertung von Risiken und Chancen
Chancen: Anleger profitieren vom aggressiven Wachstum der Kundenzahlen und dem Trend zu globalem 24/7-Engagement von Privatanlegern. Interactive Brokers beispielsweise konnte die Zahl der Kundenkonten bis Ende 2025 um 33 % im Jahresvergleich steigern.
Risiken: Verlängerte Handelszeiten leiden oft unter geringer Liquidität, was zu Geld-Brief-Spannen (Spreads) führt, die dreimal höher sind als während der regulären Tageszeit. Zudem reagieren Broker-Aktien empfindlich auf Marktzyklen; ein Abschwung oder ein deutlicher Rückgang der Handelsaktivität würde die transaktionsgetriebenen Einnahmequellen direkt belasten.
